Nun ist wieder ein Jahr zu Ende gegangen. Und irgendwie bin ich froh drum. Gerade die letzten Tage des Jahres fühlten sich nach Müdigkeit, Erschöpfung an und dieses Mal habe ich die unbestimmte Zwischenzeit stark gespürt. Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester erschienen mir so undefiniert. Das Alte war noch nicht ganz vorbei. Aber das Neue hat auch noch nicht begonnen. Manchmal entsteht bei mir in einer solchen Zeit eine Unruhe oder auch Unsicherheit. Dieses Mal war es eher eine Leere – aber zum Glück auch Entspannung. Doch egal, wie auch immer ich mich fühle, diese Zwischenzeit lässt meine Gedanken kreisen. Wie viele andere beschäftige ich mich dann damit, was mich im neuen Jahr erwartet, was ich mir vornehme, was ich mir wünsche. Doch es gibt da noch einen Schritt davor, den ich machen muss, um mich ganz auf das Neue einzulassen: Das Alte loslassen!

Neujahrsvorsätze anders angehen

Um nicht in einen ewig gleichen Tritt bei den Neujahrsüberlegungen zu kommen und da ich immer wieder auf der Suche bin, etwas anders zu machen und mich auszuprobieren, brachte mich vor zwei Jahren meine Freundin und Kollegin Jana auf ein literarisches Vorbild, das sich hervorragend eignet, sich von alten Dingen zu verabschieden und das neue Jahr frei und kreativ zu denken: Pippi Langstrumpf.

In den Geschichten von Astrid Lindgren über Pippilotta finde ich Anregungen, um mich von alten Tanten zu verabschieden, um zu schauen, was ich nicht in meinem Leben brauche, welche belehrenden Menschen ich ziehen lassen kann, welchen gesellschaftlichen Erwartungen ich mich nicht mehr unterordnen möchte, welche Träume heimlich verblasst sind und welche Glaubenssätze mir nicht mehr entsprechen. Und natürlich inspiriert mich Pippi Langstrumpf, mein Leben kreativ, wild und stark zu gestalten. Sie zeigt, dass sie sich nimmt, was ihr gut tut und nicht darauf hört, was andere für gesellschaftsfähig halten. Sie eckt an, findet aber auch Unterstützer. Denn Pippi kreist nicht nur um sich selbst, sie beschenkt andere gern, kümmert sich um ihre Mitmenschen – sie passt auf Freunde auf, sie beschützt Kinder vor einem wilden Stier, sie gibt armen Gaunern zu essen.

Wie wäre es mit einer kleinen Gedankenreise zum Jahresanfang? 

Wir laden Sie ein: Schnappen Sie sich Ihren liebsten Stift und Ihr Notizbuch, packen Sie eine Zauberkugel oder eine Trompete ein, ein Fernglas oder einen Kompass und steigen Sie mit uns ins Miskodil. Los geht’s! 

Wir fliegen mit dem Stift auf dem Papier zur Villa Kunterbunt. Wir schmettern Lieder, ohne den Text richtig zu kennen, und essen dicke Butterbrote. Wir schweben über den Wolken und durch Vulkanfeuer hindurch. „Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.“ (Pippi Langstrumpf). Leicht und fröhlich, achtsam und aufmerksam, selbstbewusst und fürsorglich, offen und neugierig – so treffen wir Pippi. Sie lädt uns in ihren Garten und in ihre Villa ein; wir fangen an zu plaudern und nachzudenken: 

  • Wo kommen Sie her? Was haben Sie gerade hinter sich gelassen? Welche Zweifel mussten Sie gerade überwinden? Welche Landschaften haben Sie gerade überflogen?
  • Wie hoch klettern Sie in ihrem Limonadenbaum? Welche Aussicht auf 2020 haben Sie von dort oben? Wo wird für Sie leckere Limonade wachsen? 
  • Über welche Möbel hangeln Sie sich durch das Haus? Welche Zimmer finden Sie besonders spannend? Welche Schätze entdecken Sie auf dem alten Dachboden? Welche Sehnsüchte erwecken die? Wie würden Sie Ihre Villa Kunterbunt einrichten? Welche Zimmer gäbe es in Ihrem bunten Haus?
  • Was würden Sie Pippi gern fragen? Welche Geschichten aus Ihrem Leben würden Sie ihr erzählen? Was würden Sie gern können – was lernen Sie im neuen Jahr? Trompete spielen? Übers Wasser laufen? Ein Piratenschiff segeln? Auf einem Seil balancieren? Plutimikation? Mit den Bürsten als Schlittschuhe das Haus putzen? Riesenpfannkuchen backen? Stiere zähmen? 

Nora

2019 habe ich sehr viel an Hochschulen gearbeitet und andere dabei unterstützt, Lernstrategien zu entwickeln und das wissenschaftliche Schreiben besser zu bewältigen. Und ich habe es geschafft, mir Schreibzeiten zu erobern und habe endlich selbst wieder viel geschrieben. Dabei habe ich wertvolle Entdeckungen gemacht und poetische Bilder gefunden für meine Gefühle. Ich betrachtete in einem nanowrimo-Märchen zwei Nachbarsmädchen und ihr kleines Glück, ich schrieb Gedichte über meine Kindheit, ein achtsames Morgengedicht und einen Monat lang Self Love Letters 

Wenn ich  von der höchsten Spitze der Villa Kunterbunt in die Zukunft schaue, dann sehe ich: 2020 finde ich meine Limonaden in Märchen, die ich schreibe und auch zeigen werde.

Ich begrüße die Kreativität, die ich vielmehr in meinen Alltag einfließen lasse und der ich mehr Raum schenken werde. 

Außerdem möchte ich alte neue Freunde in meinem Leben halten und mich mehr auf Begegnungen mit Menschen einlassen und nicht dabei darüber nachdenken: ‚Habe ich dafür jetzt auch noch Zeit?‘ Ja, vielleicht lade ich sie sogar zu einem Märchenabend ein. Ich könnte eine richtige Märchenerzählerin werden. Ich werde lernen, wie ich nicht nur mit Worten sondern auch mit meiner Stimme die Menschen berühre und die alte Kunst des Märchenerzählens weitertragen. 

Diese Märchenstimme hat viel mit meiner inneren Stimme zu tun, meiner inneren Weisheit, der ich vertrauensvoll lausche. Hallo Bauchgefühl! 2020 ist dein Jahr!

Jana

Ich bin total neugierig auf den Stapel Bücher auf meinem Sekretär: Bücher, in denen Mädchen oder junge Frauen schreibend zu sich kommen, wie David Almonds „Mina“, Ava Reeds „Die Stille meiner Worte“ und Annet Huizings „Wie ganz zufällig aus meinem Leben ein Buch wurde“. Ich werde sie lesen und sicherlich hier ins Bücherregal stellen. Natürlich werde ich weiter das Glück studieren, malen, zeichnen, neue Buchbindungen ausprobieren… Gegen Schreibblockaden und Perfektionismus genehmige ich mir hin und wieder einen kreativ zerstörerischen Auftrag von Keri Smith unter dem Motto „Mach dieses Buch fertig“.

Vielleicht haben Sie jetzt auch Lust bekommen auf eine etwas längere Reise? Dann treffen wir uns am 01.02.2020 in Berlin. Dort bringen wir Sie gern wieder in Kontakt mit dem fröhlichen Vorbild unserer Kindheit und mit Ihnen selbst und schauen hoffnungsfroh aufs neue Jahr. Wir nehmen uns einen langen Tag Zeit – nur für uns und für unsere Wünsche.

Wir verabschieden alte Tanten. Wir stiften Sie an, mit Ihrer Pippi-starken Kraft zuzupacken und altes Gepäck über Bord zu werfen. Ich, Nora, packe zum Beispiel die olle Tante Besuch-darf-bloß-nicht-unser-Chaos-Wohnzimmer-sehen und sage Tschüß und hoffe, dass diese Tante eher selten zu Besuch kommt. Oft ist mir unser chaotisches Wohnzimmer peinlich, dabei haben wir zwei kleinere Kinder und im Alltag ist es okay, dass nicht alles aufgeräumt ist. Nun möchte ich das auch nach außen hin vertreten. So sind wir eben als Familie – etwas unaufgeräumt.

Und wir feiern unsere Freunde und heißen neue willkommen. Erforschen Sie, was vor Ihnen liegt, was Sie wieder fröhlich und stark macht, wie Sie sich die Welt (zurück)erobern. Wir werden zu Sachensucherinnen und finden vielleicht einen Spunk. Wir backen uns unsere riesige Wunsch-Torte, in die wir genussvoll unsere Zähne hauen wie Pippi bei der feinen Teegesellschaft. Wir finden heraus, was wir brauchen, was uns guttut, was wir uns im neuen Jahr gönnen werden. Gibt es Wünsche, die Sie sich erfüllen wollen? Gibt es Eigenschaften, die Sie mehr leben wollen? Welchen Raum wollen Sie für sich erobern? Wo werden Sie vielleicht keck sein, frech und fröhlich wie Pippilotta? Was wird Sie im neuen Jahr zum Lachen bringen? Welche Gelegenheit werde ich im neuen Jahr beim Schöpfe packen? Wir sammeln Ideen für Vorhaben, die so verrückt sind, dass Sie sich vielleicht bisher nicht getraut haben, sie zu verwirklichen – obwohl Sie sie lieben. Wir schmeicheln uns und üben uns in selbstbewusstem Eigenlob. Wir schreiben uns Liebesbriefe und nehmen all die Stimmen in uns wahr, die uns etwas mitgeben möchten für das neue Jahr.

Schauen Sie (wohlwollend) zurück und träumen Sie sich ins neue Jahr!

Ihre Jana und Nora