Erfolgstagebuch: Mehr Frust als Lust?
Wie du deine Erfolge motivierend dokumentierst
Das Erfolgstagebuch ist in den letzten Jahren scheinbar immer beliebter geworden, ähnlich wie Dankbarkeitstagebücher. Sie sollen dazu dienen, die eigenen Erfolge festzuhalten und dabei helfen, positive Gedanken zu kultivieren. Doch was passiert, wenn diese Praktiken mehr Frustration als Freude bringen? In diesem Blogbeitrag werde ich die Herausforderungen und Nachteile von vorgefertigten Erfolgstagebüchern betrachten und kreative Alternativen vorstellen.
Erfolgstagebücher – Ziel und Struktur
Von Erfolgstagebüchern gibt es mittlerweile einige zu kaufen. Ziel dieser Tagebücher ist es, den Fokus auf das Positive im Leben zu lenken, einen Sinn im eigenen Leben zu entdecken oder diesem Leben einen Sinn zu geben, aber auch Struktur und Zielorientierung zu bringen.
Dafür sind Erfolgstagebücher meist nach einem festen Schema aufgebaut. Typischerweise gibt es jeden Tag eine Reihe von Feldern, in die man seine Erfolge und Optimierungsmöglichkeiten eintragen kann. So gibt es zum Beispiel ein Feld für die 3 Erfolge des Tages und dann noch ein Feld für die drei Dinge, für die man an diesem Tag dankbar ist. Einige der Bücher bieten an, gleich morgens das festzuhalten, worauf man sich am Tag freut und dann abends die Erfolge aufzuschreiben. Dazu können noch einige Verhaltensweisen getrackt oder mit Hilfe von Smileys der Gemütszustand festgehalten werden.
Die Herausforderung: Automatismus und Langeweile
Diese Struktur kann zwar hilfreich sein, um den Fokus auf das Positive zu lenken, kann aber auch zu einem Gefühl der Monotonie führen. Eher automatisch trägt man seine Erfolge ein, denkt aber nicht mehr so bewusst darüber nach. Das gewünschte Gefühl der Zufriedenheit bleibt dann aus. Die Routine wird langweilig, und der ursprüngliche Zweck – die Freude über die eigenen Erfolge – schwindet. Anstatt zur Reflexion zu führen, wird das Erfolgstagebuch zur lästigen Pflicht.
Dies bestätigt sich auch in der Forschung über die Wirkung von Journaling bzw. dem persönlichen und reflektierenden Schreiben. Regelmäßiges Schreiben sollte nicht zwingend täglich erfolgen, da es auch Zeit zwischen den Schreibeinheiten geben sollte, in der das Aufgeschriebene verarbeitet werden muss.
Zu wenig Raum zum Nachdenken im Erfolgstagebuch
Ebenso haben Studien ergeben, dass es wirksamer ist, wenn Schreibeinheiten länger sind als nur wenige Minuten, um tiefergehend nachzudenken.
Aus ihrer Meta-Studie schließt Silke Heimes, dass 15 Minuten schreiben hilfreich sind. Auch aus der Positiven Psychologie ist bekannt, dass längere Einträge hilfreicher sind. Das heißt, die Einträge zu den eigenen Erfolgen sollten konkretere Beschreibungen beinhalten sowie Überlegungen dazu, wie man selbst dazu beigetragen hat.
Die vorgefertigten Erfolgstagebücher bieten meist jedoch nur wenige Zeilen Platz für die täglichen Einträge. Außerdem werben sie damit, dass man nur wenige Minuten dafür investieren muss.
Der Druck der täglichen Erfolge
Ein weiteres Problem ist der Druck, den solche Tagebücher erzeugen können. Die Erwartung, jeden Tag mindestens einen Erfolg festhalten zu müssen, kann stressig sein. Besonders an Tagen, an denen das Gefühl der Unzulänglichkeit überwiegt, kann dies zu Frustration und sogar zu einem negativen Selbstbild führen. Stell dir vor, du hattest einen anstrengenden Tag, an dem nichts wie geplant lief. Und dann sollst du auch noch einen Erfolg dokumentieren. Ich würde sagen, dass es auch als Erfolg gilt, dass du den Tag irgendwie gemeistert hast. Das Gefühl, dennoch einen “Erfolg” festhalten zu müssen, kann den Druck weiter erhöhen und die Freude an der Reflexion mindern.
Meine persönliche Erfahrung mit dem Erfolgstagebuch
Als Freundin von Tagebüchern und Journals jeder Art habe ich auch schon solche vorgedruckten Journals ausprobiert. Keines dieser Tagebücher habe ich vollständig ausgefüllt. Ich habe es nicht lange durchgehalten, da ich irgendwann auch nicht mehr wusste, was ich dort jeden Tag eintragen sollte. Es gab auch Tage, da hat es nicht in meinen Tagesablauf gepasst. Manches Mal habe ich es schlicht und einfach vergessen. Die leeren Seiten führten dann wiederum zum schlechten Gewissen, weil ich es eben nicht geschafft habe, täglich zu schreiben.
Alternative Ansätze: Das eigene Journal gestalten
Um die positiven Aspekte des Erfolgstagebuchs zu bewahren und die negativen Aspekte zu minimieren, gibt es verschiedene Alternativen, die individueller und kreativer sind.
1. Ein persönliches Journal anlegen
Statt ein vorgefertigtes Erfolgstagebuch zu nutzen, kannst du dir ein individuelles Erfolgsjournal gestalten, das auf deine Bedürfnisse abgestimmt ist. Hier sind einige Ideen:
- Freie Gestaltung: Lass dir Raum für kreative Elemente wie Zeichnungen, Collagen oder Fotos deiner Erfolge.
- Flexible Struktur: Halte deine Erfolge fest, wann und wie es dir passt – ob täglich, wöchentlich oder monatlich.
- Journaling Prompts: Bereite auf der ersten oder letzten Seite Fragen an dich selbst vor, die du beantworten kannst, wenn du mal eine Starthilfe brauchst: Worauf bin ich stolz? Was habe ich gut gemacht? Wie habe ich jemandem geholfen? Wie habe ich mir selbst etwas Gutes getan? Was hab ich gelernt?
2. Monatsrückschau
Anstatt jeden Tag einen Erfolg festzuhalten, könnest du am Ende jedes Monats eine Rückschau machen. Dies erlaubt dir, die Erfolge in einem größeren Kontext zu sehen und reduziert den Druck, täglich etwas festhalten zu müssen.
3. Visuelle Akzente setzen
Nutze einfach nur ein Journal für all deine Gedanken und gestalte die Seiten, auf denen du deine Erfolge festhältst besonders. Du könntest bestimmte Farben, Sticker oder Marker verwenden. Dies kann dir helfen, die Seiten leichter wiederzufinden, wenn du mal in deinen Erfolgen nachlesen möchtest.
Fazit
Erfolgstagebücher können eine wertvolle Möglichkeit sein, um sich seiner Erfolge bewusst zu werden und positive Gedanken zu fördern. Wenn sie jedoch zu einem starren Ritual werden, können sie mehr Frustration als Freude bringen. Durch die individuelle Gestaltung eines Journals oder das Führen von Monatsrückschauen kannst du den Druck reduzieren und die Freude an der Reflexion zurückgewinnen. Letztlich sollte der Prozess der Selbstreflexion bereichernd und erfüllend sein – und das erreichst du am besten, wenn du es auf dein eigene Weise tust.
Nimm dir den Druck beim Schreiben raus und gehe deinen ganz eigenen Weg.
Deine Nora
PS: Weitere Anregungen zum Gestalten deines persönlichen Erfolgstagebuchs findest du hier:
Unser Buch “Journaling – Der Weg zum Selbst” bietet verschiedene Journaling-Inspirationen.
Hier erklären wir, warum es wichtig ist, abwechslungsreich und länger zu schreiben.
Und so bindest du dir selbst schöne Hefte.


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