Poesietherapie

Warum lieben wir das Schreiben? Warum sind uns Gedichte so kostbar?

Ramona Jakob: Poesie ist Lebenstanz. Warum es sich lohnt, Gedichte zu schreiben

(Sachbuch, erschienen bei Schneider Verlag Hohengehren, 2016)

Worum geht es in diesem Buch?

Was ist so besonders daran, Gedichte zu schreiben? Warum berührt es nicht nur die Leser*innen sondern auch die Schreibenden selbst? Warum kann es erfüllen und trösten? Was ist daran anders, als eine Geschichte zu verfassen? Antworten auf diese Fragen über die Wirkung poetischer Schreibprozesse hat Ramona Jakob mit ihrer Forschung gesucht und stellt in diesem Buch ihre Ergebnisse vor.

Die vollständige Dissertation heißt: „Schläft ein Lied in allen Dingen – Poesiecoaching als Lebensberatung. Ein Forschungsüberblick und eine empirische Studie zu Schreibprozessen mit Erwachsenen in einem nichttherapeutischen Setting“ und wurde an der Europa-Universität Viadrina veröffentlicht.

Was erfahren Leserinnen über die Wirkung von poetischem Schreiben?

Zunächst erfahren wir Leserinnen, aus welchen verschiedenen Perspektiven sich Poesietherapie und Poesiecoaching entwickelt haben und dass bereits allerlei Erkenntnisse darüber vorliegen, warum das persönliche Schreiben bedeutsam ist, welche Wirkmacht Worte und Sprache haben. Wer neugierig ist, mehr darüber zu erfahren, findet hier jede Menge Literaturtipps.

Daran knüpfte Ramona Jakob an und hat herausgearbeitet, was das poetische Schreiben, also das Schreiben von Gedichten und kurzen poetischen Texten, den jeweiligen Schreibenden bedeutet, was beim Schreiben passiert, wie sie über ihre Schreiberfahrungen sprechen. Um das zu erfahren, hat sie Schreibaufgaben für allein Schreibende und für Schreibgruppen entwickelt und jene Schreibenden anschließend per Fragebogen und per Interview befragt.

Die Teilnehmer*innen dieses Forschungsprojektes erklärten, dass sie durch das poetische Schreiben für sich eine Möglichkeit gefunden haben, um sich auf eine ganz neue Weise mit ihrem Leben zu beschäftigen. Indem sie Gedichte geschrieben und daran gearbeitet haben, konnten sie z.B. ihre Gefühle in den Texten gestalten, ihren Blickwinkel verändern, mit Nähe und Distanz spielen, für Momente ihres eigenen Lebens Bilder finden, innerlich den Rhythmus der Poesie spüren, mit sich selbst achtsam und selbstwirksam umgehen und Freude erleben. Die Autorin hat diese Erfahrungen systematisiert und kann zeigen, wie einzelne Eindrücke miteinander zusammenhängen und wie kostbar diese persönliche Schreibzeit ist.

Was macht dieses Buch besonders?

Beim Lesen dieses Buches haben wir uns und unsere Workshopteilnehmerinnen in den Erfahrungen der anderen „wiederentdeckt“, wir haben Erklärungen über Schreiberlebnisse bekommen, ohne den Zauber des Schreibens dabei zu verlieren. Und das macht dieses Buch auch so besonders. Ramona Jakob trägt all die Ergebnisse systematisch zusammen, erklärt wertschätzend und zuweilen poetisch, lässt ihre Schreibenden selbst zu Wort kommen und geht behutsam mit deren Gedanken und Texten um. Und schließlich hat sie mit Sonetten ihre eigene Poesie in das Buch verwoben.

Für wen ist dieses Buch interessant?

Dieses Buch ist sicher spannend für diejenigen, die selbst gern Schreiben oder damit anfangen möchten, sich schreibend mit sich selbst zu beschäftigen und nahe zu sein. Sie bekommen hier Erklärungen, warum das Schreiben so kostbar sein kann, sie erhalten Einblicke in das Schaffen anderer Schreibender und sie finden im hinteren Teil des Buches allerlei Schreibanregungen. Sie erfahren, wie sie mit Gedichten ihre gewohnten Argumentationsmuster kreativ durchbrechen, neue Bilder und eine poetische Sprache gewinnen.

Und natürlich ist dieses Buch wertvoll für diejenigen, die als Coaches, Schreibgruppenleiterinnen oder Lehrerinnen und Dozentinnen selbst das Schreiben in nichttherapeutischen Settings kreativ vermitteln. Sie finden hier Anregungen, wie sie ihre Workshops, Seminare oder Sitzungen aufbauen, wie sie mit dem Schreiben neue Denkwege aufzeigen und wie sie schließlich mit den Texten ihrer Schreiberinnen umgehen können.

Fazit

Mit diesem sehr wertschätzend geschriebenen Buch wurden wir wieder dazu angeregt, nachzuspüren und nachzudenken, warum wir das Schreiben lieben, was das Schreiben poetischer Texte so kostbar macht und wie wir das für unsere Arbeit mit Frauen einsetzen können. Dabei halfen uns auch die Schreibaufgaben am Ende jedes Kapitels. Die „Gedichtanleitungen“ inspirieren zum Schreiben genauso wie die Sonette der Forscherin zum Auftakt der Kapitel. Danke Ramona Jakob, wir lieben dein Buch!