Schreiben als Wahrnehmungsschule und Akt der (Selbst)Wertschätzung

Silke Heimes: Schreiben als Selbstcoaching

(Ratgeber, erschienen bei Vandenhoeck und Rupprecht 2014)

Worum geht es in diesem Buch? Welche wertvollen Gedanken vermittelt es?

Aufrecht für sich selbst einstehen, die eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse erforschen, seinen Platz in der Welt finden… dabei kann das Schreiben als eine Methode des Selbstcoachings helfen. Wie das geht, erklärt Silke Heimes in diesem Büchlein und stellt zahlreiche Schreibimpulse aus dem kreativen, therapeutischen und biographischen Schreiben zusammen.
Das Buch regt die Leserinnen vielfältig dazu an, ihre Gefühle und Erfahrungen zu formulieren, sie aufmerksam zu betrachten, anzunehmen und dann durchaus Änderungen vorzunehmen. Dabei kann sich die Leserin mit den eigenen Unzufriedenheiten beschäftigen, aber auch ihre Wünsche und Stärken bewusster wahrnehmen. Die Idee ist, schreibend die Aufmerksamkeit auf bestimmte Lebensfragen zu lenken, sich selbst aus veränderten Perspektiven anzuschauen, um zu erkennen, was stärkt, um dann neue Reaktionen und Lösungen auszuhecken.
Das ist aber nicht falsch zu verstehen, in dem Sinne, dass wir schon wieder etwas an uns selbst optimieren müssen, emotionalen Anforderungen nicht gerecht würden, mehr innere Stärke zeigen müssten, uns besser behaupten müssten… Wesentlich ist für Silke Heimes, sich selbst wohlwollend und behutsam zu begegnen, gelassen und geduldig zu sein, freundlich und mitfühlen mit sich selbst, verzeihend und fair. Es geht darum, mit sich selbst in Kontakt zu kommen, sich selbst wertzuschätzen, sich selbst und anderen authentisch und mit Würde zu begegnen: „Schreiben ist eine Schule der Wahrnehmung und zugleich ein Akt der Würdigung und Wertschätzung“ (S. 38).

Wie ist das Buch aufgebaut?

Das Buch ist übersichtlich aufgebaut: Im ersten Teil führt die Autorin in kurzen Kapiteln in ihr Verständnis von Coaching, Selbstcoaching, die Würde des Menschen und das Schreiben als Akt der Wertschätzung ein. Die Schreibimpulse im zweiten Teil widmen sich folgenden übergeordneten Fragen: Wie kann ich mit dem schreibenden Selbstcoaching anfangen? Was ist mein persönlicher Ausgangspunkt? Wer bin ich, woher komme ich und worauf kann ich selbst vertrauen? Welche persönlichen Rollen und Masken habe ich im Leben? Wie begebe ich mich auf neue Wege und finde Lösungen? Welche Träume, Geheimnisse und Verrücktheiten lassen mich nicht mehr los? Wie komme ich mit meinen Gefühlen klar und lasse sie los, wie höre ich mir selbst gut zu? Welche Bedeutung haben für mich Spiritualität, Ethik und Achtsamkeit im Leben?

Fazit: Für wen mag dieses Buch interessant und hilfreich sein

Dieses Büchlein kann für jeden und jede interessant sein, z. B. wenn sie neue Ideen für ihr Journaling/Tagebuchschreiben sucht, wenn sie die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit infrage stellt, wenn sie sich mit den Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit auseinandersetzt, um sich an ihre Visionen für ihre berufliche Entfaltung zu erinnern, um ihre Leidenschaft für ihre persönliche Entwicklung zu nutzen, um sich gesellschaftlich zu engagieren, um die eigenen Talente und Möglichkeiten zu erkunden, um sich der eigenen Werte bewusst zu werden und sich ggf. neu auszurichten im Leben… Um etwas auszumachen in dieser Welt.
„Jeder, der sich selbst verstehen will, sich in allen Höhen und Tiefen erforschen und begleiten und etwas verändern will, ist mutig und verdient den größten Respekt. Ihm gebührt Achtung, Anerkennung und Wertschätzung dafür, dass er bereit ist, sich selbst, der Welt und anderen gegenüber Augen, Ohren und Herz zu öffnen.“ (S. 13)