
Verantwortung und Träume.
Die Schriftstellerin Katharina steckt in einer privaten Umbruchssituation und damit in einer handfesten Schreibblockade. Und als wäre das nicht schon genug, erleidet ihre Oma einen Unfall und braucht Hilfe in ihrer Frühstückspension auf Norderney.
Verantwortung
Katharina hat mit ihren Brüdern früher viele Sommer auf dieser Insel verbracht und verbindet schöne Erinnerungen mit diesen Zeiten bei Oma Enna und ihrem leckeren Hefestuten, ihrem Garten, den Kirschbäumen, den selbstgebauten Höhlen. Natürlich springt sie rasch ein, in der Hoffnung dort auch etwas Schreibzeit zu finden und neuen Schwung für ihr Buch.
Inspirierende Menschen
Auf dem Weg dorthin trifft sie ganz herzige Menschen: eine frühere Freundin und heutige Keramikkünstlerin, einen Musiker mit Aushilfsjob in der Sommersaison auf der Insel, eine fremde freundliche Familie am Strand. Die Freundin, der Musiker und die Mädchen der Familie inspirieren Katharina auf ganz unterschiedliche Weise: Die Mädchen stecken Katharina mit ihrer kindlichen Fantasie an. Die Freundin führt ein kreatives Leben, hat aber noch Träume. Und für die braucht sie Verbündete. Der Musiker kennt die Magie und auch die Blockaden kreativer Prozesse. Mit ihm kann sie reden. Bei ihm fühlt sie sich verstanden und so sonderbar wohl.
Eine alte Geschichte
In der Pension findet Katharina zudem ein altes Tagebuch. Oder ist es eine fiktive Geschichte? Und wer hat darin geschrieben? Neugierig-detektivisch taucht Katharina in die Lektüre ein und findet überraschende Poesie und Antworten.
Das Ende
Läuft doch, könnte man meinen. Aber nö. So leicht hat es die Protagonistin doch nicht. Ihre Gefühle werden heftig aufgewühlt und in der Pension läuft es nicht so gut. Neue Ideen und etwas Aufwertung sind nötig. Ihre Fantasie ist gefragt. Bei der Umsetzung bekommt Katharina Hilfe, allerdings auch Sabotage und steht damit wieder einmal vor einem Problem. Wie sich alles auflöst, verrate ich hier nicht.
Für wen kann das Buch interessant sein?
Ein Sommerbuch für Künstlerinnen
Ich würde das Buch Leserinnen empfehlen, die Lust haben auf ein künstlerisch inspirierendes Sommerbuch, in dem sie ihren Alltag vergessen und für eine Weile an die See reisen können. Und natürlich ist dieses Buch für Künstlerinnen und Autorinnen interessant. Denn die Protagonistin erzählt hier aus der Ich-Perspektive und gibt viele Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt als Schriftstellerin. Und genau das macht dieses Sommerbuch zu einem besonderen Buch.
Künstlerinnenberuf
Mit dem Musiker Phil spricht sie darüber, wie hin- und hergerissen man sein kann, weil das Leben als Musiker und als Schriftstellerin zwar wenig Sicherheit, aber viel Freiheit bietet. Die beiden sprechen auch darüber, ob ihre Texte autobiografisch sind und was sie inspiriert. Sie tauschen sich darüber aus, wie sie diese magischen Momente erleben, wenn alles fließt, Worte und Melodien, wenn alles seine Form findet.
Beharrlichkeit und Selbstwert
Katharina wird sich bewusst, wie Beharrlichkeit und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sie auf einem langen Weg schließlich zur ersten Verlagszusage führten. Und dennoch: Selbstzweifel und die Angst, interessant genug zu schreiben, so könnte man meinen, quälen nur Anfängerinnen. Aber nein, dieses Gefühl kennt Katharina nach etlichen Veröffentlichungen immer noch. Sie sorgt sich, ob ihr die Kreativität abhanden gekommen sei. Sie sehnt sich danach, dass ihre Worte wieder fließen. „Denn das Schreiben war schon immer meine Leidenschaft. Das, was mich erfüllt, was mir immer so viel Kraft und Halt gegeben hat.“ (S. 94) Ihre Freundin gibt ihr den Rat, sich nicht unter Druck zu setzen. Sie kennt Katharina, wie sie abtaucht, wenn sie schreibt.
Verantwortung und Träume
Eine Kindergeschichte erinnert Katharina schließlich an den Kerngedanken ihres Romans, nämlich dass man nicht stark und perfekt sein muss, um wertvoll und liebenswert zu sein. Und dass man in andere Menschen vertrauen kann. Auf einer Meta-Ebene trifft diese Aussage auch genau auf diesen Roman zu. Denn Katharina hat trotz eigener Träume und Aufgaben viel Verantwortung übernommen. Das zu erkennen und ihre Träume anzupacken, könnte gemeinsam mit lieben Menschen gelingen.
Fazit:
Dieser einfühlsame und warmherzige Roman ist eine schöne Künstlerinnen-Sommerurlaubslektüre. Er ist nicht zu kitschig, trotzdem aber sommerlich leicht und inspirierend. Nebenbei bekommt man Einblicke darin, wie es sich anfühlt, als Keramikkünstlerin, als Musiker und als Schriftstellerin zu leben. Und wenn man selbst schreibt, findet man hier auch allerlei Anregungen, um sein eigenes Schreiben wertschätzend zu betrachten.
Das Buch enthält zwei Rezepte von Leckereien und einen Songtext aus der Geschichte.
– Jana –
„Unsere Frühstückspension am Meer“ von Christin-Marie Below
(Roman, 2025 erschienen bei Ullstein)
Zur Autorin: Christin-Marie Below
Zum Buch: Unsere Frühstückspension am Meer
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