Kreative Entfaltung durch Collagen: Ein Blick in Johanna Vedrals ‘Collage Dream Writing’

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Dieses Buch ist ein Kunstwerk für sich. Es ist eine Quelle der Inspiration. Johanna Vedral hat ein Buch verfasst, dass so verspielt und tiefsinnig ist wie das Thema, das es behandelt: Collage Dream Writing. Wie eine Collage hat dieses selbst Buch viele Facetten und kann zu einer Entdeckungsreise werden. Es führt hinein in die Welt der Träume und Bilder und regt zum Schreiben an.

Über die Autorin

Die Autorin Johanna Vedral hat eine lange Reise mit Collagen hinter sich. Begonnen hat es damit, dass sie sich mit ihren Träumen beschäftigt hat. Sie schrieb, viel. Sie sagt von sich auch heute noch, dass sie eine Vielschreiberin sei. Doch das Schreiben hatte seine Grenzen, es folgt einer Linearität, die ihre Träume oder Traumbilder nicht haben. Nicht immer konnten Worte das ausdrücken, was die Bilder ihrer Träume waren. Dann entdeckte sie die Collage und hatte einen neuen Zugang gefunden. Mit den Jahren hat sie viele Collagen erstellt und sich in diesem Bereich weitergebildet. Passend zu ihrer Auseinandersetzung mit Träumen und auch ihrem Wohnort Wien hat sie Psychologie studiert. Und dann entwickelte sie aus all den Ansätzen, die sie kennenlernte, ihr Collage Dream Writing. In diesem Buch bringt sie alles zusammen und möchte damit erprobte Kreativitätsmethoden vermitteln und zeigen, wie vielfältig Collagen angewendet werden können für das Verstehen von Träumen, für das Schreiben und Denken sowie für das kreative Schaffen.

Traumbilder

Johanna Vedrals ursprünglicher Ansatz waren die Traumbilder. Nach ihrem Verständnis können uns Traumbilder zeigen, was wir brauchen, um glücklich und gesund zu leben, sie können darstellen, wovor wir uns fürchten und was wir verändern sollten. Und Collagen können diese Traumbilder sichtbar machen. Beim Erstellen von Collagen geht es um einen intuitiven Zugang zu unseren Traumbildern, zu den Bildern in uns. Es geht Johanna Vedral darum, sich von den Bildern leiten zu lassen und schöpferische Schreibprozesse anzuregen, die Bilder dabei aber nicht zu deuten und auch nicht in Sprache zu übersetzen. 

Konkret beschreibt sie es in ihrem Buch so – mit Collagen können wir:

  • „einen lebendigen Dialog mit unserem Unterbewusstsein aufnehmen
  • Informationen über unsere Gesundheit bekommen
  • eigene Denkmuster durchleuchten und Lebensmuster erkennen
  • unsere emotionalen Bedürfnisse klarer sehen
  • uns mit inneren Persönlichkeitsanteilen anfreunden und
  • unsere spirituelle Entwicklung vertiefen.“ (Vedral, 2017, S. 9)

Für wen sind Collagen eine gute Idee?

Somit sind Collagen für alle geeignet, die sich kreativ selbst entdecken möchten, doch besonders für diejenigen, so die Autorin, die nicht malen können und auch keine kunsthandwerkliche Ausbildung haben. Sie sieht darin eine Kunstform, zu der jede Person einen Zugang hat oder haben kann, gerade auch wegen der leicht verfügbaren Materialien. Für Schreibende können die Collagen ein Tor zur Inspiration sein, sie können den Zugang zu sinnlicher und bildhafter Sprache sein. Dafür braucht es nicht viel: leeres Papier, Zeitschriften, Fotos, Schere, Kleber, Stifte, Journal.

Kapitel 1-8. Woher kommen Collagen und was haben sie mit Schreiben zu tun?

Aufgebaut ist das Buch in 13 Kapitel. In den ersten Kapiteln geht es darum, was Collagen sind und wo sie herkommen. Besonders spannend fand ich die vielen weiblichen Namen. So habe ich erfahren, dass die britische Aristokratin Mary Delany als Erfinderin der Collage gilt und dass es im 19. Jahrhundert viele Frauen gab, die als Collage-Künstlerinnen tätig waren. Im 3. Kapitel nimmt uns die Autorin mit auf ihre Reise hin zu den Collagen und gewährt uns einen sehr persönlichen Einblick in ihre Geschichte. Ein Kern des Buches ist Kapitel 4, in dem Johanna Vedral ihren Ansatz von Collage Dream Writing vorstellt: „Ich verstehe Collage Dream Writing als eine Synthese aus Collage, Collagetherapie, multimedialer Kunsttherapie, Traumarbeit und Creative Writing.“ (S. 70)

In den Kapitel 5 und 6 lernen wir etwas über das Denken in Bildern und den kreativen Prozess beim Erstellen von Collagen. Kapitel 7 stellt die Verbindung von Collagen und Träumen dar. Das folgende Kapitel 8 ist eines der Kapitel, die mich am meisten angezogen haben: Collagen als Ausgangspunkt fürs Schreiben. So können die Collagen zu einem freien, wilden Schreiben anregen, genau wie dazu, Bilder und Assoziationen zu verdichten. Sie kreieren Bilder auch im Kopf und können Zugang zum sinnlichen Schreiben sein. Collagen können sogar zum Verfassen von Romanen oder Forschungsarbeiten genutzt werden. In Collagen lassen sich Storyboards und Figurencharakterisierungen darstellen. Mittels Collagen lassen sich Denkprozesse für Forschungsvorhaben verbildlichen.

Kapitel 9-13. Selbstfindung, Spiritualität, Visionboard, Denkwerkzeug, Autobiografie

In den Kapitel 9 und 10 geht die Autorin darauf ein, wie Collagen in der Therapie, bei der Selbstfindung eingesetzt werden können und die eigene spirituelle Praxis unterstützen. Kapitel 11 nimmt das verbreitete und recht bekannte Visionboard unter die Lupe, und Collagen als Denkwerkzeug werden in Kapitel 12 erklärt. Schreiben war schon immer ein guter Weg für mich, über Dinge nachzudenken, etwas besser zu verstehen, Ideen aufzustöbern und Wissen zu vertiefen. Johanna Vedral eröffnet mir in diesem Kapitel eine weitere Möglichkeit auf dem Papier zu denken. Sie beschreibt, dass es beim Erstellen von Collagen und dem Schreiben zu diesen Collagen zu einem Wechselspiel von divergentem und konvergentem Denken kommt. Das heißt, es werden abwechselnd die rechte und linke Gehirnhälfte eingesetzt. Der Prozess des Collage Dream Writing fördert den Einsatz beider Gehirnhälften beim Denken – die logisch-analytische und kreativ-schöpferische Hälfte. Das ist deshalb wichtig, da es laut Johanna Vedral gesichert sei, dass die Verbindung der beiden Denkvorgänge „zu neuen kreativen Ideen führen kann.“ (S. 283)

Abgerundet wird das Buch durch die Sammlung von verschiedenen Collage-Übungen in Kapitel 13. Diese Übungen unterteilt die Autorin in verschiedene Anlässe oder Kontexte. So gibt es zum Beispiel Übungen für das Erkunden der eigenen Person und der autobiografischen Arbeit sowie für den Einsatz in der Therapie. Es gibt Collagen für das Romanschreiben, aber auch für die spirituelle Praxis zum Beispiel eine Dankbarkeitscollage. Collagen können sogar in der Teamarbeit eingesetzt werden.

Das Buch als Collage entdecken

Auch wenn das Buch aus sortierten Kapiteln besteht, kann das Buch eher wie einen Collage verstanden werden. Die Autorin fordert in ihrem Vorwort dazu auf, dort im Buch anzufangen, wo es einen gerade hinzieht. Dort kann man als Leserin dann hinschauen, entdecken, ausprobieren und sich dann leiten lassen, was man als nächstes lesen möchte. So war auch mein Leseprozess. Ich bin durch das Buch gesprungen und verschiedenen Wegen nachgegangen. Manche Dinge habe ich zuerst oberflächlicher betrachtet und mir einen Eindruck verschafft, an anderer Stelle bin ich verweilt und habe mich hineinfallen lassen wie in ein Bild. Es lässt sich dabei sehr viel entdecken zu den Themen Traum, Traumbilder, Denken in Bildern, Wirkung der Collagen in der Selbsterkundung oder in der Psychotherapie. Außerdem sind die Kapitel mit verschiedenen Übungen gespickt, die das Gelesene erfahrbar und greifbar machen. 

Mein Fazit zu diesem Buch:

Es ist ein Fundgrube der Inspiration und Möglichkeiten. Ich empfehle das Buch allen Menschen, die Collagen spannend finden und es selbst ausprobieren möchten. Das recht umfangreiche Buch muss dafür nicht gelesen werden, sondern es kann spielerisch entdeckt und die Übungen sofort ausprobiert werden. Es ist aber auch für Menschen interessant, die bereits mit Collagen arbeiten. Das Buch ist so reichhaltig, dass ich denke, es lässt sich immer noch etwas Neues entdecken. Genauso eignet sich das Buch für Menschen, die gern schreiben, ob ihm Tagebuch oder an Romanen. Die Anregungen und Übungen darin sind eine wertvolle Ergänzung zu jeder Schreibpraxis.

„Collage Dream Writing“ von Johanna Vedrahl

(Arbeitsbuch und Ratgeber, 2017 veröffentlicht bei punktgenau)

Hier gelangst du zum Buch beim Verlag: Collage Dream Writing
Hier kommst du zur Website der Autorin: Johanna Vedral

Collagen als Schreibimpulse

Schon in unserem Blogpost 5 Wege ein Tagebuch zu führen, ohne zu schreiben gehen wir auf die Collage ein. Hier hast du eine erste Vorstellung davon, was Johannas Buch alles drinstecken kann. Probiere dich doch einfach mal, mit Bildern in deinem Journal zu arbeiten, erstelle dir kleine Collagen und schreib dazu.

Collage Dream Writing ist vor allem eine kreative Methode, sich mit sich selbst zu verbinden und sich besser zu verstehen. Wenn du dich auf diesen Weg begeben möchtest oder schon dabei bist und dich noch weiter inspirieren lassen möchtest, dann schau dir doch mal unsere Workshop- und Schreibangebote an. Wir haben ein kostenloses Angebot für das Schreiben während der Raunächte und am 8.3.2026 schreiben wir mit Frauen Self Love Letters.